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Radtour und Whiskykoch

Über eine vorgestern entdeckte Nachricht freute ich mich besonders:

Der Whiskykoch in Darmstadt öffnet – wenn auch mit eingeschränkten Öffnungszeiten – sein Ladengeschäft wieder ab heute. Alles konform mit den geltenden gesetzlichen Corona-Regeln, die u.a. den Spirituosenhändlern einen solchen Modus erlauben. Das Zubereiten von Mahlzeiten für den Verzehr zuhause – anstelle von kulinarischen Events oder spontanen Restaurantbesuchen – hatte es ja schon seit einer Weile gegeben, half mir aber nicht, was das Stöbern nach neuen Whiskys angeht.

Modautal
Modautal

Also heute gleich hin, am Ende einer schönen Radtour an den Rändern des nördlichen Odenwalds mit MTB und eBike. Und Marion Pepper hatte wie immer ein gutes Händchen bei ihren Empfehlungen und das nötige Hintergrundwissen.

So ist dieser von A.D. Rattray abgefüllte „geheime“ Blended Malt Scotch Whisky Bessie Williamson gewidmet, einst First Lady von Laphroaig und damals außerordentlich erfolgreich in einer von Männern dominierten Zunft. Welche anderen Distilleries darin vertreten sein mögen, weiß ich nicht. Jedenfalls lecker! Gute Kombi von Rauch und Sherry.  Und halte ich nicht sowieso immer Ausschau nach solchen seltenen, unabhängig abgefüllten, ungefärbten Laphroaigs?

Ebenfalls überzeugend finde ich den Wolfburn Latitude aus Schottlands nördlichster Festland-Destillerie in Thurso. Leicht rauchig und leckere Vanillearomen. Wer meine Vorliebe beispielsweise für den Balvenie 12 Years Single Barrel kennt, weiß, was ich meine. Auf dem Etikett des Wolfburn Latitude wird zwar nicht First Fill erwähnt, aber die verwendeten Bourbon-Fässer leisteten jedenfalls ganze Arbeit!

Auf den letzten Metern machten die Bremsbeläge am eBike endgültig schlapp. Das Titelfoto entstand beim Auswechseln derselben im heimischen Garten. Soll mal einer sagen, dass Männer nicht Multitasking können.

Slàinte Mhath!
Dirk

PS: Alles Gute, Marion und Chris, fürs weitere Bestehen in dieser schwierigen Lage, und wir freuen uns auf zukünftige Besuche in Laden und Restaurant mit der gewohnten herzlichen Begrüßung. 🙂 Und ohne Mundschutz in schottischem Tartan. 😉

Vorfreude

Arran und Craigellachie

Warum ich mich über (und auf) diese zwei Samples besonders freue?

Aromen: Arran
Aromen: Arran

Ich hatte immer wieder leckere Arrans, zuletzt diese besondere Abfüllung Peated Spirit from Sherry Hogshead, die ich mir bei Drinkmonger in Pitlochry gegönnt und aus dem Schottlandurlaub mit nach Hause gebracht hatte. Oder den Pinot Noir Casks, den ich zu Weihnachten verschenkte. Die Insel Arran ist vorgemerkt für unseren Urlaub 2021; da kann man gar nicht früh genug damit beginnen, sich auf deren Whiskys einzustellen. Umso gespannter bin ich nun auf dieses Sample einer 13jährigen Nymphs of Whisky-Abfüllung mit Madeira Cask Finish.

Aromen: Craigellachie
Aromen: Craigellachie

Besonders neugierig bin ich auch auf den 12jährigen Craigellachie. Dessen Verkostungsnotiz erinnert mich an einen meiner Lieblingswhiskys, den ebenfalls 12jährigen Balvenie Single Barrel, bei dem mir immer wieder eine besonders helle Süße auffällt, die wohl typisch ist für Whisky, der in 1st Fill ex-Bourbon-Fässern reifte. Was es mit 1st Fill ex-Bourbon auf sich hat, könnt ihr in einem früheren Beitrag nachlesen. Denke, dass ich beide – den Balvenie und den Craigellachie – im direkten Vergleich probieren werde.

Bin – wie schon mal erwähnt – nicht gut im Erkennen und Beschreiben detaillierter Aromen, die man über Nase und Zunge erfährt. Umso dankbarer bin ich für die veröffentlichten Verkostungsnotizen von whic.de und die Fotos, die ich hier verwenden darf.

Slàinte Mhath
Dirk

Interwhisky 2019 Frankfurt | And the winner is …

Interwhisky 2019

Das letzte Mal, als ich auf der Interwhisky in Frankfurt war, fand diese noch im Intercontinental-Hotel statt. Seit ein paar Jahren wird sie nun im Gesellschaftshaus des Palmengartens veranstaltet. Ein wirklich schönes Ambiente, und von Darmstadt aus mit Zug und U-Bahn gut zu erreichen.

Für alle, die noch auf keiner Whiskymesse waren: Es läuft immer so, dass das Whiskyglas im Eintritt enthalten ist. Dann kauft man sich Jetons im Wert von je 1 €, die man dann an den Ständen gegen Whisky eintauscht. Ich sah Whiskys, die man ab 2 Jetons je 2cl bekam. Nach oben gab’s kaum Grenzen. Mir wurde einer für 19 angeboten. Nein, danke! Die meisten, die mich interessierten, lagen bei 4-5.

Den Anfang machten wir am Ardbeg-Stand. Nicht ohne Grund: Als Committee-Mitglieder hatten wir eine Einladung zu einem kostenlosen Dram Corryvreckan erhalten, „solange der Vorrat reicht“. Also am besten gleich mal am Anfang hin, denn schließlich hatte die Messe am Freitag begonnen, und mittlerweile war es schon Sonntagnachmittag. Aber alles gut, es gab noch welchen. Und da ich’s sowieso auf eher torfige Whiskys abgesehen hatte, war er als Einstieg gut geeignet. Erstaunlicherweise schmeckte er sogar Sabine gut, die normalerweise keine torfigen mag. Natürlich hätte ich nie auf ihr Gratis-Glas spekuliert, niemals!

Als gebürtige Siegerländer stoppten wir anschließend am Stand einer Destillerie aus dem Sauerland. Der nur 3jährige Thousand Mountains McRaven Single Malt war erstaunlich lecker, und deren Whisky-Sahne-Likör schmeckte Sabine so gut, dass sie gleich eine Flasche davon kaufte.

Nochmals zurück zu den Gläsern: Wie kann man zunächst Corryvreckan und dann einen anderen Whisky aus demselben Glas trinken? Man fragt ganz einfach nach einem Schluck Wasser zum Ausspülen. Überall war Stilles Wasser von Black Forest dafür vorhanden, einer der Sponsoren vermutlich. Am Thousand Mountains-Stand tauschte man mir sogar einfach das Glas gegen ein ganz neues, und ebenso Sabines, nachdem sie den Likör ausgetrunken hatte.

Nun ging’s darum, Whiskys zu finden, die man schon länger auf der Merkliste hat, die man vor dem Kauf oder vor dem Bestellen aber gerne mal probieren würde. Nochmals zur Erinnerung mein Beuteschema: von Islay oder zumindest einer der Inseln, bevorzugt leicht bis stark torfig, unbedingt ungefärbt, am liebsten fassstark oder wenigstens mit einem hohen Alkoholgehalt abgefüllt.

Ein medium-peated Glen Scotia aus First-Fill ex-Bourbon Fässern und in einem Rotweinfass nachgereift und dann als Single Cask in Fassstärke abgefüllt klang vielversprechend, war dann aber doch nur „ok“. Ähnliches galt für den Machrie Moor in Fassstärke von Arran, der mich ebenfalls nicht vom Hocker riss. Schade, ich hatte erst kürzlich so leckere von Glen Scotia und Arran getrunken.

Also doch noch mal zu einem unabhängigen Abfüller am Stand gleich gegenüber: Berry Bros. & Rudd. „Ich mag gerne …“, zählte ich meine Präferenzen auf. Aber nichts als fragende Blicke kamen dabei heraus. Mein Gegenüber sprach nur Englisch. Also nochmals auf Englisch, und zielsicher empfahl er mir einen 10jährigen Orkney mit Finish in einem Pomerol-Rotwein-Fass und dann mit 61,3% abgefüllt. Nun muss man wissen, dass es keine Destillerie namens Orkney gibt. Auf meine Frage, aus welcher der beiden Destillerien auf Orkney er stammt, kam erwartungsgemäß die Antwort: Highland Park.

Googlen führte mich zur Whiskybase, und diese wiederum nannte nur einen Händler für genau diesen Whisky: Whiskykeller. Also zurück zum Berry Bros. & Rudd-Stand, wo ich feststellte, dass es den Whisky hier zum selben Preis gab. Also zuschlagen!

Wohin nun mit den letzten beiden Jetons? Der Standbetreiber, bei dem ich die Flasche zahlte, bot mir für einen Lord of Islay an, einen heavily-peated Bunnahabhain, mit 57,3% vol. abgefüllt.

Bunnahabhain hatten wir im August besichtigt, und die wunderschöne Flussmündung gleich vor den Toren der Destillerie und den tollen Spaziergang entlang der Küste werden wir nicht vergessen. Auch hatte uns der bei Royal Mile Whiskies in Edinburgh gekaufte 12jährige Bunnahabhain – den ich kannte und von dem ich wusste, dass er uns beiden schmecken würde – den ganzen Urlaub lang begleitet.

Und auch dieser hier war wieder so lecker. Lord of … sei eine Marke, die er selbst abfüllen lässt, sagte mir der Standbetreiber und gab mir seine Karte: „Exclusive Single Cask Bottling presented by Whiskykeller“. Und außer mit seiner eigenen Marke sei er mit Berry Bros. & Rudd hier auf der Interwhisky. Ich war also genau bei dem einen Händler gelandet, den Whiskybase für diesen Orkney genannt hatte. So klein ist die Welt!

Wer schon mal auf einer Weinprobe war, kennt das Phänomen: Je mehr man trinkt, desto leckerer wird der Wein. Ok, je-mehr-man-trinkt-desto-leckerer-wird-er, das mag auch hier einen Einfluss gehabt haben, aber höchstens einen kleinen. Der Thousand Mountains war die Überraschung des Tages, und Orkney und Lord of Islay meine Favoriten.

Slàinte Mhath!
Dirk

Klein aber fein

Brother_and_Sister

Die großen Destillerien auf Islay bieten über ihre Communities oft Originalabfüllungen zu extremen Preisen an, weil streng limitiert und gleichzeitig heiß begehrt. Bei um die 20 Jahre alten Whiskys mag das in Ordnung sein. Ich selbst kaufte dort beispielsweise schon 22- und 19jährige Ardbegs. Aber nur allzu oft wird für welche ohne Altersangabe weit über 100 GBP verlangt. Das finde ich übertrieben.

Da lobe ich mir doch die kleine aber feine Islay Cask Company. Die kaufen einzelne Fässer an und füllen diese ab bzw. lassen diese abfüllen. So habe ich von denen bereits ein 12jähriges „Private Cask Release“ in Original-Kilchoman-Flasche, aber auch einen 12jährigen Port Charlotte in einer Flasche in liebevoll selbstgestaltetem Design. Als weitere Besonderheit geben sie ihren Whiskys Pseudonyme. Der Kilchoman heißt „Hypnum“ und der Port Charlotte heißt „Ilex“.

Heute erhielt ich zwei weitere per Post, die brandneuen „Brother“ und „Sister“. Hurra, 100%ig mein Beuteschema: Caol Ila, fassstark oder zumindest hoher Alkoholgehalt, ungefärbt und nicht kühlgefiltert, von einem unabhängigen Abfüller! Kleiner Exkurs, guckst du hier.

„Brother“ und „Sister“ wurden am 10. Mai 2011 destilliert und in gleichen Fasstypen gelagert. Einziger Unterschied: Während man „Brother“ 8 Jahre in jenem ex-Bourbon-Fass reifen ließ, füllte man „Sister“ nach gut 7 Jahren für 10 Monate um in ein Chateau-Lafitte-Rothschild-Rotweinfass. Beide wurden dann im Juni 2019 in Flaschen abgefüllt. Ich freue mich schon aufs Verkosten!

Slàite Mhath!
Dirk

War of the Peat II | Caol Ila

Nachdem kürzlich erwartungsgemäß ein Edradour, genauer gesagt ein Ballechin, diese von whic.de und Signatory herausgebrachte Serie eröffnete, war ich gespannt auf den zweiten Whisky.

Der kam heute auf den Markt, aber ich durfte ihn vorab schon probieren. Wie schön, dass es einer von Islay ist.

Der 9jährige Caol Ila kommt rauchig daher und macht dem Titel der Serie alle Ehre. Optisch relativ blass, aber das ist mir so viel lieber, als wenn man mit Farbstoff nachgeholfen hätte. Ich mag es, wenn man einem Whisky den Einfluss des Fasses und die Dauer dieses Einflusses ansieht.

Vielleicht nicht ganz fair, aber ich probierte ihn dann gleich mal mit meiner persönlichen „Caol-Ila-Referenz“. Eine 17jährige Abfüllung von Gordon & MacPhail aus deren Connoisseurs-Serie, in First-Fill-Bourbon-Fässern gereift. Nur zur Erinnerung: First-Fill-Bourbon heißt, dass amerikanische Bourbon-Fässer zum ersten Mal für schottischen Whisky verwendet werden und daher noch sehr viel Einfluss auf den Whisky nehmen was Geschmack, insbesondere Vanille-Aromen, und Farbe angeht. Wie zu erwarten kam der 9jährige da nicht heran, insbesondere was die Harmonie von Rauch und Süße angeht. Aber die beiden spielen natürlich nicht in derselben Liga, für den 17jährigen muss man das Doppelte investieren.

Nach dem Sample freue ich mich nun auf die reguläre Flasche, die ich heute bestellte. Und ich bin so gespannt auf „War of the Peat III“.

Slàinte Mhath!
Dirk