Interwhisky 2019 Frankfurt | And the winner is …

Interwhisky 2019

Das letzte Mal, als ich auf der Interwhisky in Frankfurt war, fand diese noch im Intercontinental-Hotel statt. Seit ein paar Jahren wird sie nun im Gesellschaftshaus des Palmengartens veranstaltet. Ein wirklich schönes Ambiente, und von Darmstadt aus mit Zug und U-Bahn gut zu erreichen.

Für alle, die noch auf keiner Whiskymesse waren: Es läuft immer so, dass das Whiskyglas im Eintritt enthalten ist. Dann kauft man sich Jetons im Wert von je 1 €, die man dann an den Ständen gegen Whisky eintauscht. Ich sah Whiskys, die man ab 2 Jetons je 2cl bekam. Nach oben gab’s kaum Grenzen. Mir wurde einer für 19 angeboten. Nein, danke! Die meisten, die mich interessierten, lagen bei 4-5.

Den Anfang machten wir am Ardbeg-Stand. Nicht ohne Grund: Als Committee-Mitglieder hatten wir eine Einladung zu einem kostenlosen Dram Corryvreckan erhalten, „solange der Vorrat reicht“. Also am besten gleich mal am Anfang hin, denn schließlich hatte die Messe am Freitag begonnen, und mittlerweile war es schon Sonntagnachmittag. Aber alles gut, es gab noch welchen. Und da ich’s sowieso auf eher torfige Whiskys abgesehen hatte, war er als Einstieg gut geeignet. Erstaunlicherweise schmeckte er sogar Sabine gut, die normalerweise keine torfigen mag. Natürlich hätte ich nie auf ihr Gratis-Glas spekuliert, niemals!

Als gebürtige Siegerländer stoppten wir anschließend am Stand einer Destillerie aus dem Sauerland. Der nur 3jährige Thousand Mountains McRaven Single Malt war erstaunlich lecker, und deren Whisky-Sahne-Likör schmeckte Sabine so gut, dass sie gleich eine Flasche davon kaufte.

Nochmals zurück zu den Gläsern: Wie kann man zunächst Corryvreckan und dann einen anderen Whisky aus demselben Glas trinken? Man fragt ganz einfach nach einem Schluck Wasser zum Ausspülen. Überall war Stilles Wasser von Black Forest dafür vorhanden, einer der Sponsoren vermutlich. Am Thousand Mountains-Stand tauschte man mir sogar einfach das Glas gegen ein ganz neues, und ebenso Sabines, nachdem sie den Likör ausgetrunken hatte.

Nun ging’s darum, Whiskys zu finden, die man schon länger auf der Merkliste hat, die man vor dem Kauf oder vor dem Bestellen aber gerne mal probieren würde. Nochmals zur Erinnerung mein Beuteschema: von Islay oder zumindest einer der Inseln, bevorzugt leicht bis stark torfig, unbedingt ungefärbt, am liebsten fassstark oder wenigstens mit einem hohen Alkoholgehalt abgefüllt.

Ein medium-peated Glen Scotia aus First-Fill ex-Bourbon Fässern und in einem Rotweinfass nachgereift und dann als Single Cask in Fassstärke abgefüllt klang vielversprechend, war dann aber doch nur „ok“. Ähnliches galt für den Machrie Moor in Fassstärke von Arran, der mich ebenfalls nicht vom Hocker riss. Schade, ich hatte erst kürzlich so leckere von Glen Scotia und Arran getrunken.

Also doch noch mal zu einem unabhängigen Abfüller am Stand gleich gegenüber: Berry Bros. & Rudd. „Ich mag gerne …“, zählte ich meine Präferenzen auf. Aber nichts als fragende Blicke kamen dabei heraus. Mein Gegenüber sprach nur Englisch. Also nochmals auf Englisch, und zielsicher empfahl er mir einen 10jährigen Orkney mit Finish in einem Pomerol-Rotwein-Fass und dann mit 61,3% abgefüllt. Nun muss man wissen, dass es keine Destillerie namens Orkney gibt. Auf meine Frage, aus welcher der beiden Destillerien auf Orkney er stammt, kam erwartungsgemäß die Antwort: Highland Park.

Googlen führte mich zur Whiskybase, und diese wiederum nannte nur einen Händler für genau diesen Whisky: Whiskykeller. Also zurück zum Berry Bros. & Rudd-Stand, wo ich feststellte, dass es den Whisky hier zum selben Preis gab. Also zuschlagen!

Wohin nun mit den letzten beiden Jetons? Der Standbetreiber, bei dem ich die Flasche zahlte, bot mir für einen Lord of Islay an, einen heavily-peated Bunnahabhain, mit 57,3% vol. abgefüllt.

Bunnahabhain hatten wir im August besichtigt, und die wunderschöne Flussmündung gleich vor den Toren der Destillerie und den tollen Spaziergang entlang der Küste werden wir nicht vergessen. Auch hatte uns der bei Royal Mile Whiskies in Edinburgh gekaufte 12jährige Bunnahabhain – den ich kannte und von dem ich wusste, dass er uns beiden schmecken würde – den ganzen Urlaub lang begleitet.

Und auch dieser hier war wieder so lecker. Lord of … sei eine Marke, die er selbst abfüllen lässt, sagte mir der Standbetreiber und gab mir seine Karte: „Exclusive Single Cask Bottling presented by Whiskykeller“. Und außer mit seiner eigenen Marke sei er mit Berry Bros. & Rudd hier auf der Interwhisky. Ich war also genau bei dem einen Händler gelandet, den Whiskybase für diesen Orkney genannt hatte. So klein ist die Welt!

Wer schon mal auf einer Weinprobe war, kennt das Phänomen: Je mehr man trinkt, desto leckerer wird der Wein. Ok, je-mehr-man-trinkt-desto-leckerer-wird-er, das mag auch hier einen Einfluss gehabt haben, aber höchstens einen kleinen. Der Thousand Mountains war die Überraschung des Tages, und Orkney und Lord of Islay meine Favoriten.

Slàinte Mhath!
Dirk

Wieviele Gläschen sind erlaubt?

Wieviele erlaubt

Bei der Frage, nach dem wievielten Whisky man aufhören sollte, hilft diese schottische Weisheit nicht wirklich weiter: “Ein Whisky ist fabelhaft, zwei sind zu viel, drei sind zu wenig.“

Hängt sicher auch von der Situation ab.

Heute Mittag ergab sich eine spontane Gelegenheit zu einem leckeren Whisky mit einem guten Freund. Eigentlich ging’s nur darum, nochmals an den beiden hochpreisigen Auchentoshan und Ledaig zu nippen, die wir uns vor Jahren zusammen gekauft hatten und die immer nur gemeinsam angerührt werden dürfen.

Aber würde da nicht der aus dem Urlaub mitgebrachte Peated Arran wunderbar hinterher zu passen? (Und tatsächlich stellte der den 18jährigen Ledaig in den Schatten.) Und wo wir schon mal in der Gegend sind, kann danach ein nicht rauchiger Glen Scotia Victoriana aus Campbeltown noch mithalten?

Nun zurück zur Ausgangsfrage:

Blicke und Bemerkungen unserer „besseren Hälften“ sind immer wieder ein verlässlicher Indikator, genauso wie die Feststellung meines Freundes, als ich den Glen Scotia anschleppte: „Des gibt Ärscher.“

Dann wird es Zeit fürs letzte – vielleicht etwas großzügiger eingeschenkte – Gläschen.

Slàinte Mhath!
Dirk

Klein aber fein

Brother_and_Sister

Die großen Destillerien auf Islay bieten über ihre Communities oft Originalabfüllungen zu extremen Preisen an, weil streng limitiert und gleichzeitig heiß begehrt. Bei um die 20 Jahre alten Whiskys mag das in Ordnung sein. Ich selbst kaufte dort beispielsweise schon 22- und 19jährige Ardbegs. Aber nur allzu oft wird für welche ohne Altersangabe weit über 100 GBP verlangt. Das finde ich übertrieben.

Da lobe ich mir doch die kleine aber feine Islay Cask Company. Die kaufen einzelne Fässer an und füllen diese ab bzw. lassen diese abfüllen. So habe ich von denen bereits ein 12jähriges „Private Cask Release“ in Original-Kilchoman-Flasche, aber auch einen 12jährigen Port Charlotte in einer Flasche in liebevoll selbstgestaltetem Design. Als weitere Besonderheit geben sie ihren Whiskys Pseudonyme. Der Kilchoman heißt „Hypnum“ und der Port Charlotte heißt „Ilex“.

Heute erhielt ich zwei weitere per Post, die brandneuen „Brother“ und „Sister“. Hurra, 100%ig mein Beuteschema: Caol Ila, fassstark oder zumindest hoher Alkoholgehalt, ungefärbt und nicht kühlgefiltert, von einem unabhängigen Abfüller! Kleiner Exkurs, guckst du hier.

„Brother“ und „Sister“ wurden am 10. Mai 2011 destilliert und in gleichen Fasstypen gelagert. Einziger Unterschied: Während man „Brother“ 8 Jahre in jenem ex-Bourbon-Fass reifen ließ, füllte man „Sister“ nach gut 7 Jahren für 10 Monate um in ein Chateau-Lafitte-Rothschild-Rotweinfass. Beide wurden dann im Juni 2019 in Flaschen abgefüllt. Ich freue mich schon aufs Verkosten!

Slàite Mhath!
Dirk